Einsichten, die zugrunde liegen


Mit unserem einverleibten, also konditionierten Sprachkodex und -vokabular richten wir unseren Fokus insbesondere bei Konflikten auf das, was "mit dem anderen nicht stimmt" oder "was mit uns selbst nicht stimmt".
Diese Betrachtungsweise enthält Urteile und Bewertungen.


Diese Betrachtungsweise ist angelernt.

Meilenweit entfernt...

Unsere Art, zu denken und die Dinge zu betrachten, richtet den Fokus unserer Aufmerksamkeit auf das "unerwünschte" äußere Verhalten.
Dann wird genau dieses Verhalten bewertet oder interpretiert, W A S es ist: z.B. "gut oder böse", "falsch oder richtig", "erwünscht oder unerwünscht", etc.. Damit jedoch entfernen wir uns im Konfliktfall meilenweit davon, wirklich zu bekommen, was wir brauchen: denn niemand hat schließlich Lust darauf, sich sagen zu lassen, was an ihm nicht stimmt. Hier gibt es immer einen "Täter" und ein "Opfer".
Durch die Gewaltfreie Kommunikation erhalten wir ein tieferes Verständnis dafür, wie ein äußeres Verhalten zustande kommt. Hier richtet sich der Fokus unserer Aufmerksamkeit auf das, was hinter dem sichtbaren Verhalten steht: ein Mensch, dessen Bedürfnisse gerade nicht erfüllt sind und der lediglich keine bessere Strategie W E I S S , als auf diese Art sich zu holen, was er braucht.
 
Wenn wir eine innere Haltung einnehmen, die anstelle von Bewertung Wertschätzung und Achtung enthält, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit immens, dass wir und unser Gegenüber bekommen, was wir brauchen.
Die hier angedeutete Ethik weist sicherlich auf ein weiteres hohes Ideal über zwischenmenschliche Begegnung, wie wir viele davon in uns tragen. Oft haben wir hohe Ideale zwar im Sinn, aber leider keine Ahnung, wie wir sie in unserem persönlichen Leben ganz konkret erfahrbar umsetzen sollen. Oft bleibt es dabei, daß sie in unserem Kopf erhalten bleiben als ein erhobener Zeigefinger, der uns mahnt, wie wir leben sollten.
Keine besonders vielversprechenden Aussichten auf Verwirklichung also.
 
Das Modell der 4 Schritte eröffnet uns den "Werkzeugkasten" für die Umsetzung dieser Haltung ins konkrete Leben. INDEM wir diese Werkzeuge benutzen, stellt sich ganz natürlich und ohne erhobenen Zeigefinger eine neue Sichtweise und innere Haltung ein - damit einhergehend ein neues VERHALTEN:
Wir können erleben, wie unsere geistigen Ideale tatsächlich beobachtbar "auf der Erde landen".

"Durch unsere Sprache kommt unsere innere Haltung zum Ausdruck.
Neues Verhalten braucht eine neue Sprache."
 
1. Schritt: Die reine Beobachtung

Wir verzichten darauf, die Tatsachen mit den eigenen Bewertungen, Interpretationen und Urteilen zu vermischen, wie das in unserem alltäglichen Sprachgebrauch i.d.R. unbewußt geschieht. Wir benennen unsere reine Beobachtung - das, was auch für den anderen ersichtlich unbestreitbare, sinnlich wahrnehmbare Tatsache ist.

"DIE HÖCHSTE FORM MENSCHLICHER INTELLIGENZ
IST DAS EINFACHE BEOBACHTEN
OHNE ZU URTEILEN."
Krishnamurti
 
2. Schritt: Gefühle

Wir benennen unsere wahren Gefühle.
Häufig werden "Pseudo-Gefühle" in diese Aussage hineingemischt. Was dabei herauskommt sind widerum Bewertungen des anderen. Meist merken wir zwar, dass der andere entweder "dicht macht" oder "zurückschießt", also in Bruchteilen von Sekunden eine emotional abwehrende Reaktion zeigt. Doch durch unsere Sprachkonditionierung, die wir als ganz normal und selbstverständlich empfinden, fällt uns selten auf, WAS den anderen veranlaßt hat, in dieser Situation "auszusteigen".
Hinzu kommt, daß sowohl in unserer Sprache als auch in unserer inneren Haltung zumeist die Überzeugung lebt, der andere sei für unsere Gefühle verantwortlich.

Diese Betrachtungs- also Denkweise ist angelernt. 
3. Schritt: Unsere Bedürfnisse

Wenn wir ein wenig tiefer in eine neue Haltung hineingefunden haben,
fragen wir nicht mehr:
"Wer ist schuld und wer hat recht?"
sondern
"Wie geht´s dir, wie geht´s mir und was bringt uns weiter?"

Bedürfnisse sind allen Menschen gemeinsam.
Unabhängig von ihrer Nation, kultureller, religiöser oder sozialer Herkunft, Bildung oder Alter und Geschlecht.
Damit sind solche Grundbedürfnisse wie die nach Nahrung (Überleben), Gemeinschaft, Nähe, Freude, Frieden, Sicherheit, Autonomie, Wertschätzung, Sinn, Weiterentwicklung, Sprirtualität u.a.m. gemeint.

In dem Moment, wo man Menschen dazu bringen kann, darüber zu reden was sie möchten, anstatt darüber, was mit der anderen Person nicht stimmt, sieht man sofort eine Möglichkeit für den Beginn einer Lösung." M.B.Rosenberg
 
4. Schritt: Die Bitte

Mit der Bitte bringen wir unsere Anliegen und Bedürfnisse ins konkrete Leben, indem wir mit dem anderen gemeinsam eine Lösung finden.

Eine Lösung, die von allen getragen wird, ist erst möglich, wenn eine gute Beziehung und Verbindung zum anderen besteht.
Aus diesem Grund ist die GFK in erster Linie beziehungsorientiert, nicht lösungsorientiert.
Der Versuch, eine Lösung "auf der sachlichen Ebene" zu finden ohne wieder hergestellten guten Draht zueinander, ist unserer Erfahrung nach höchst ineffizient. Derart getroffene "Sachlösungen" werden erfahrungsgemäß wenig mitgetragen.
Und es ist demotivierend: es bezahlen alle den Preis für einen Kompromiß, bei dem die Bedürfnisse mehrerer Beteiligter unberücksichtigt geblieben sind.
Eine Lösungsfindung, in deren Prozess die Bedürfnisse aller gesehen und geachtet werden, erhöht jedoch ungemein die Effizienz im Hinblick auf einen gemeinsamen, tragenden Grund für die Umsetzung.
Woran erkenne ich, ob ich tatsächlich eine Bitte formuliert habe?

- Wenn jemand NEIN sagt zu meiner Bitte und meine Wertschätzung für ihn/sie in den Keller geht, war´s keine Bitte.

Eine echte Bitte läßt Wahlfreiheit.
 
Und zuletzt - zur Klarstellung:

Es gibt keine "falsche Sprache" oder "richtige Sprache".
Es gibt nur unsere Wahlfreiheit.
Wenn wir erst einmal wach und bewußt damit sind, was wir tun, haben wir die Wahl.
W i r entscheiden selbst, welche Strategie, welches Verhalten oder welche sprachliche Ausdrucksform wir wählen wollen.
Mit dem Treffen einer bestimmten Wahl entscheiden wir uns für ein bestimmtes Resultat. Ein Resultat ist erst einmal nur eine geschaffene Tatsache.
Es liegt an uns selbst, herauszufinden, ob das gewählte Resultat mit unseren eigenen Werten und Bedürfnissen übereinstimmt.
DAS IST ALLES.

" Jenseits von falsch und richtig gibt es einen Ort - dort treffen wir uns."
Rumi , Sufi und Mystiker, 13. Jahrhundert

 
Noch Fragen? Gerne!