HO´OPONOPONO von Joe Vitale

Nach © 2006 Joe Vitale auf educate-yourself.org/zsl/hooponopono25jul06.shtml
Übersetzung © 2008 Karin Schnurpfeil

Vor zwei Jahren hörte ich von einem Therapeuten auf Hawaii, der eine ganze Station voll straffällig gewordener geisteskranker Menschen geheilt hatte -- ohne einen einzigen von ihnen je gesehen zu haben. Der Mann, ein Psychologe, studierte die Krankenakte und suchte dann in seinem Inneren eine Antwort darauf, wie er die Krankheit dieser Person geschaffen hatte. In dem Maße, wie er an sich selbst arbeitete, verbesserte sich der Zustand des Patienten.
Als ich diese Geschichte zum ersten Mal hörte, dachte ich, sie sei ein Märchen über das Leben fernab der Stadt. Wie sollte irgendein Mensch einen anderen dadurch heilen, daß er sich selbst heilt? Wie sollte selbst der fortgeschrittenste Selbstheiler psychisch kranke Straftäter heilen können? Darauf konnte ich mir keinen Reim machen. Es war unlogisch, also tat ich die Geschichte ab und vergaß sie wieder.
Aber ein Jahr später hörte ich sie erneut. Ich erfuhr, daß der Therapeut ein hawaiianisches Heilverfahren namens ho´oponopono angewandt hatte. Davon hatte ich noch nie etwas gehört, aber es ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Wenn an der Geschichte überhaupt etwas dran war, dann mußte ich mehr darüber erfahren. Ich hatte unter "voller Verantwortung" immer verstanden, daß ich für das verantwortlich sei, was ich denke und tue. Und daß alles andere nicht in meiner Macht liege. Ich glaube, so denken die meisten Menschen über Verantwortung. Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, und nicht für das, was irgendjemand anders tut -- aber das ist falsch.

Der Therapeut aus Hawaii, der jene geistig kranken Menschen geheilt hatte, lehrte mich eine fortschrittliche neue Sichtweise davon, was vollkommene Verantwortung ist. Seine Name ist Dr. Ihaleakala Hew Len. Wir sprachen wohl eine Stunde miteinander, als ich ihn zum ersten Mal anrief. Ich bat ihn, mir die ganze Geschichte seiner therapeutischen Arbeit zu erzählen. Er erklärte mir, daß er vier Jahre lang im Landeskrankenhaus von Hawaii gearbeitet hatte. Diese Station, wo die psychisch kranken Straftäter untergebracht waren, war gefährlich. Jeden Monat kündigte irgendein Psychologe. Das Personal meldete sich oft krank oder blieb einfach weg. Man ging mit dem Rücken zur Wand durch diese Abteilung, aus Angst vor Angriffen der Patienten. Es war kein besonders angenehmer Ort, weder für die Insassen noch für das Personal oder für Besucher. Dr. Len erzählte, daß er niemals Patienten sah. Er hatte sich einverstanden erklärt, ein Büro zu beziehen und sich die Akten anzusehen. Während der Akteneinsicht arbeitete er an sich selbst. Und indem er an sich selbst arbeitete, setzte bei den Patienten die Heilung ein.

"Nach wenigen Monaten konnten Patienten, die vorher gefesselt werden mußten, sich frei bewegen", erzählte er mir. "Bei anderen, die unter schwerer Medikation standen, wurden die Medikamente abgesetzt. Und Patienten, die keine Aussicht hatten, jemals wieder in Freiheit zu leben, wurden entlassen." Ich war beeindruckt. "Und nicht nur das", fuhr er fort, "auch die Belegschaft fand wieder Spaß daran, zur Arbeit zu kommen. Längere oder häufige Fehlzeiten am Arbeitsplatz und die Fluktuation hörten auf. Am Ende hatten wir mehr Personal als wir brauchen konnten, weil Patienten entlassen wurden und gleichzeitig die komplette Belegschaft zur Arbeit erschien. Heute gibt es die Station nicht mehr."
An dieser Stelle mußte ich endlich die große Preisfrage loswerden: "Was haben Sie denn in Ihrem Inneren gemacht, daß diese Leute sich so verändert haben?"
"Ich habe einfach den Teil von mir geheilt, der sie erschaffen hat", sagte er. Ich verstand ihn nicht. Dr. Len erklärte, daß die vollkommene Verantwortung für das eigene Leben bedeutet, daß alles im Leben - und zwar einfach, weil es darin vorkommt - der eigenen Verantwortung unterliegt. Die ganze Welt ist im buchstäblichen Sinne die eigene Schöpfung.

Hups! Das ist ein schwerer Brocken. Verantwortlich zu sein für die eigenen Worte oder Taten ist eine Sache. Verantwortlich zu sein für das, was alle anderen in unserem Leben sagen oder tun, eine ganz andere. Dennoch ist dies die Wahrheit: wer die komplette Verantwortung für das eigene Leben übernimmt, ist für alles, was er sieht, hört, schmeckt, berührt oder in irgendeiner anderen Weise erfährt, verantwortlich, weil es in seinem Leben auftaucht. Das heißt, daß es bei Terrorakten, dem Präsidenten, der Wirtschaft oder jeder Sache, die man erfährt und nicht mag -- an einem selbst liegt, sie zu heilen. Diese Dinge existieren sozusagen gar nicht, außer als Projektionen unseres Inneren. Das Problem liegen nicht bei ihnen, es liegt bei uns, und um sie zu verändern, müssen wir uns verändern.
Ich weiß, daß das schwierig zu begreifen ist, geschweige denn zu akzeptieren oder tatsächlich umzusetzen. Schuldzuweisungen sind sehr viel einfacher als die vollkommene Übernahme von Verantwortung. Als ich jedoch mit Dr. Len sprach, begann ich zu begreifen, daß für ihn und aus der Sicht des Ho´oponopono Heilung gleichbedeutend mit Selbstliebe ist.
Wenn Sie Ihr Leben verbessern wollen, dann müssen Sie Ihr Leben heilen. Wenn Sie irgendjemanden kurieren wollen, und sei es einen psychisch gestörten Straftäter, dann erreichen Sie das, indem Sie sich heilen.

Ich fragte Dr. Len, wie er es anstelle, sich selbst zu heilen. Was genau hatte er denn getan, während er sich die Akten dieser Patienten ansah?
"Ich habe nur dauernd gesagt, 'es tut mir leid und ich liebe dich', immer und immer wieder", erklärte er.
"Ist das alles?"
"Das ist alles."
Sich selbst zu lieben ist also der beste Weg, sich selbst zu verändern, und indem man sich selbst verändert, verändert man seine Welt.

Lassen Sie mich ein kurzes Beispiel geben, wie das funktioniert: eines Tages schickte mir jemand eine E-Mail, über die ich mich aufregte. Früher hätte ich daraufhin mit den Themen gearbeitet, bei denen mir emotional die Knöpfe gedrückt wurden, oder ich hätte versucht, vernünftig mit der Person zu kommunizieren, die mir diese üble Nachricht geschickt hatte.
Jetzt entschied ich mich, es mit Dr. Lens Methode zu versuchen. Ich sagte mir im stillen immer wieder, 'es tut mir leid' und 'ich liebe dich'. Ich sagte es zu niemand Bestimmtem. Ich rief damit einfach nur den Geist der Liebe hervor, der das in mir heilen sollte, was diesen äußeren Umstand geschaffen hatte.
Innerhalb von einer Stunde bekam ich eine E-Mail von derselben Person. Der Mann entschuldigte sich für sein vorheriges Schreiben. Man beachte, daß ich nichts Äußeres getan hatte, um diese Entschuldigung zu bewirken. Ich hatte ihm nicht einmal geantwortet. Aber irgendwie hatte ich in mir das geheilt, was ihn erschaffen hatte, indem ich 'ich liebe dich' sagte.

Später nahm ich an einem Ho´oponopono-Workshop von Dr. Len teil. Er ist inzwischen 70 Jahre alt, gilt als so etwas wie ein großväterlicher Schamane und ist ein wenig öffentlichkeitsscheu.
Er pries mein Buch The Attractor Factor. Er sagte mir, wenn ich mich weiterentwickelte, würden die Schwingungen meines Buches sich erhöhen und jeder würde das beim Lesen spüren. Kurz gesagt, wenn ich weiterkomme, kommen auch meine Leser weiter.
"Aber was ist mit den Büchern, die schon verkauft sind und irgendwo da draußen?" fragte ich.
"Sie sind nicht da draußen", erklärte er und seine geheimnisvolle Weisheit erschütterte mich aufs neue. "Sie sind immer noch in Ihnen." Kurzum, es gibt kein 'da draußen'. Es würde ein ganzes Buch brauchen, um diese meisterliche Technik in der ihr angemessenen Tiefe zu erläutern.
"Es genügt die Feststellung, daß es nur einen Ort anzuschauen gibt, sobald man irgendetwas in seinem Leben verändern will: das eigene Innere. Und wenn Sie hinsehen, dann tun Sie es mit Liebe."



Noch wichtig zum vollen Verständnis:

(Überlieferung von Monika Schäpe)

Was in dieser Geschichte nicht so kristallklar hervor gehoben ist, brachte eine der Teilnehmerinnen meiner Workshops mit in die Gruppe zurück. Nachdem sie, angeregt durch diese Geschichte, die wir als Input gaben, Dr. Len persönlich kennen gelernt hatte, da er zufällig September 2008 in Frankfurt einen Workshop für Ärzte und Therapeuten abhielt:
Dr. Len lehrt, dass es NICHT darum geht, dem anderen zu sagen:
„Es tut mir leid – ich liebe Dich.“
Dies entspräche lediglich unserem konditionierten Verständnis von Vergebung in unserer Kultur, wonach der Vergebende (das Opfer) auf einer erhöhten Position gegenüber dem „Täter“ verweilt.
Es geht im Gegenteil definitiv darum, dies zu sich selber zu sagen, und zwar zu dem Teil in Dir, den die Huna-Lehre das Kind in dir nennt.
In diesem Kind, das in unseren westlichen Begriffen dem Unbewussten entspricht, ist alle Erinnerung gespeichert dessen, was du jemals erlebt hast – positiv und negativ bewertetes, daher auch alle Traumata. Nach der Huna Tradition - soweit wurde es mir überliefert - ist der Mensch ein dreieiniges Wesen: das Väterliche Prinzip steht für Gott, die Mutter steht für unser wachbewußtes Ich, das Kind entspricht dem Unbewußten.
Wenn ich nun einen Menschen sehe, der sich selbst, mir oder einem anderen Menschen Leid zufügt, wende ich mich (die Mutter) unmittelbar meinem Kind in mir zu.
Ich persönlich mache das, indem ich mich kurz in den Schmerz, die Ohnmacht, Verzweiflung des Menschen einfühle, der gerade ein bestimmtes, schmerzliches Verhalten zeigt. Das heißt ich sehe und fühle den „schrecklichen Ort“, an dem diese Person weilt. Dann wende ich mich unmittelbar an mein Kind und sage zu ihm:
„Es tut mir leid - daß ich immer noch diesen schrecklichen Ort in mir habe." Und ich fühle diesen Ort in mir, die Gefühle, die ich dort habe..-
Es tut mir leid – und ich liebe dich.“
Das meint Dr. Len damit, wenn er von totaler Verantwortung spricht, für alles, was in deiner Welt existiert.
Dr. Len sagte auf dem Workshop in Frankfurt (Sept. 2008): Er sagte, es sei wahrscheinlich, dass die Klienten und Patienten, die in die Praxis kommen mit körperlichen oder psychischen Problemen, nicht in der Lage seien, H´oponopono für sich selbst zu tun.
„Wenn Sie jedoch in der Lage sind und dieses Bewußtsein haben, dann tun Sie es für Ihre Patienten.
Tun Sie´s einfach- auch wenn Sie nicht daran glauben.“

Das Menschenbild der Huna-Lehre sagt, dass mit jeder Geste und Zuwendung des Mütterlichen: „Es tut mir leid – und ich liebe dich“ – das Trauma oder das, was noch festgehalten und nicht heil oder ganz ist, erlöst werden kann ins Göttliche. In dem Maße, wie die Kind-Ebene wieder heil und ganz wird, kann das Göttliche/der Vater in uns einfließen. Mit jedem geheilten Schmerz erst lösen wir den körperlich-emotionalen Widerstand auf, der das allzeit verfügbare Göttliche daran hindert, uns voll und ganz auszufüllen, zu durchströmen – IN UNS DA ZU SEIN.

Wir werden zum Landeplatz.


Probiert´s aus - und macht eure eigenen Beobachtungen.